Interview mit dem Präfekten der Kongregation für den Klerus S. E. Kard. Beniamino Stella

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S.E. Kard. Beniamino Stella

Osservatore Romano, 8. Dezember 2016

1. Am Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria veröffentlicht die Kongregation für den Klerus die neue Ratio Fundamentalis Institutionis Sacerdotalis, die der Priesterausbildung dient. Warum bedarf es eines neuen Dokumentes für die künftigen Priester und nach welchen Leitlinien wurde der Text erarbeitet?

Die Vorgängerversion der Ratio Fundamentalis stammt aus dem Jahr 1970, wenngleich sie 1985 überarbeitet wurde. Bekanntlich änderte sich zwischenzeitlich vor allem wegen der schnellen Entwicklungen, denen die Welt heute unterworfen ist, der geschichtliche, gesellschaftliche und kirchliche Kontext, in dem der Priester gerufen ist, die Sendung Christi und der Kirche zu verwirklichen. Dieser Prozess verursachte bedeutsame Veränderungen: im Hinblick auf das Priesterbild, die spirituellen Erwartungen der Gläubigen, die Herausforderungen der Neuevangelisierung, die Kommunikationsweisen und anderes mehr. Es schien uns daher angebracht, die Priesterausbildung zu erneuern und sie wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Papst Franziskus inspirierte und ermutigte uns durch sein Lehramt. Mit seiner spirituell und prophetisch geprägten Verkündigung wandte er sich oft an die Priester und erinnerte sie daran, dass der Priester kein Funktionär, sondern ein für das Volk Gottes gesalbter Hirte ist, der wie Jesu für erschöpfte und müde Menschen ein einfühlsames und barmherziges Herz hat. Die Hinweise und Mahnungen des Heiligen Vaters, beispielsweise im Hinblick auf Versuchungen, den Reichtum, die Ausübung von Autorität und Macht, legalistische Unbeweglichkeit oder die Geltungssucht, zeigen, dass die Sorge um die Priester und ihre Ausbildung ein grundlegendes Merkmal dieses Pontifikates ist und für jeden Bischof und jede Teilkirche immer mehr werden sollte.

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